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Terrasse

Terrasse, Frühstückstisch, Pool
Terrasse, Frühstückstisch, Pool
Photo by Sebastian Schaper

Einleitung

In diesem Beitrag beschreibe ich, wie wir die unsere WPC-Terrasse auf Stelzlagern geplant und gebaut haben. Ich gehe besonders auf die spezielle Konstruktion ein, die einen ebenerdigen Ausgang auf die Terrasse ermöglicht, ohne die Fassade des Ausbauhauses zu gefährden.

Vorbereitungen

Planung

Wir haben unser Haus im EG in fast jedem Raum mit bodentiefen Fenstern ausstatten lassen, da wir eine große Terrasse geplant haben, auf die man aus fast jedem Raum gelangen können soll. Deswegen wollten wir überall einen ebenerdigen Ausgang auf die Terrasse, d.h. auf dem gleichen Niveau wie der Erdgeschoss-Fußboden.

Wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Lasst Euch im Architektengespräch an allen bodentiefen Fenstern, an denen man ins Freie tritt, die sog. tiefergelegten Schwellen einplanen. Dies sind spezielle, trittsichere Schwellen außen an den Fenstern, für die ihr einen kleinen Aufpreis zahlt. Ansonsten bekommt Ihr normale Außenfensterbänke dort verbaut. Zum einen ist mit diesen der Anschluss an eine eventuelle Terrasse schwieriger, zum anderen sind sie nicht trittfest und verkratzen oder verbeulen schnell. Das nachträglich zu ändern ist praktisch unmöglich.

Eine tieferliegende Terrasse wollten wir nicht, da wir sonst an jeder Tür mehrere Stufen zur Terrasse hätten bauen müssen, was uns auch optisch nicht gefallen hätte. Außerdem sollte der geplante Pool ebenfalls in die Terrasse eingelassen werden (quasi ebenfalls “ebenerdig”), so dass auch aus diesem Grund die etwas höhere Terrasse gewünscht war.

Vorsicht beim Anschluss der Terrasse ans Haus!

Es ist allerdings nicht empfehlenswert ist, eine “herkömmliche” Terrasse (Terrassenplatten in einem Sand- oder Splitt-Bett) bis an die Hausfassade zu bauen, da hierbei die Fassade unter der Terrasse verschwindet und durch die Feuchtigkeit beschädigt werden kann. Mehr dazu findet Ihr im Artikel “Anschluss der Terrasse ans Haus

Usere Lösung: die “schwebende” Terrasse

Wir haben uns daher für eine Terrasse aus WPC-Dielen auf einer Alu-Unterkonstruktion und speziellen Stelzlagern entschieden. Die Stelzlager tragen die Unterkonstruktion mit einem Abstand von ca. 50 cm oberhalb des eigentlichen Bodens. Der Belag endet mit einem Spalt von einigen cm vor der Fassade. Diese Konstruktion ermöglicht, dass die Fassade des Hauses frei bleibt und so stets gut abtrocknen kann. Diese Stelzlager gibt es in verschiedenen Höhenbereichen und sowohl für Unterkonstruktionen aus Holz/Alu/WPC als auch zur Einlage von Terrassenplatten (allerdings sind die erreichbaren höhen etwas niedriger).

Terrasse, Unterkonstruktion
Terrasse, Unterkonstruktion
Photo by Sebastian Schaper

Die Dielen aus WPC sind wetterfest, reißen nicht und müssen auch nicht regelmäßig gestrichen werden. Außerdem ist das Material praktisch verrottungs- und wasserfest und bildet keine Splitter, was uns gerade im Bereich des Pools wichtig war, wo man ja barfüßig unterwegs ist und es ständig nass wird.

Es gibt WPC-Dielen statt als Vollmaterial (wie bei uns) auch als Hohlkammerdielen. Diese Dielen sind, wie der Name schon andeutet, hohl, und sie sind günstiger, weil weniger Material benötigt wird. Gleichzeitig sind sie aber auch leichter und nicht ganz so stabil wie Dielen aus Vollmaterial. Wenn Schnittkanten sichtbar bleiben, muss man diese abdecken, damit die Hohlkammern nicht sichtbar sind und sich keine Tiere einnisten. Da wir einen ovalen Pool haben, wo die Schnittkanten sichtbar bleiben sollten, und die lieferbaren Abdeckungen nur an 90°-Schnitte passen, haben wir uns bewusst für Vollmaterial entschieden.

Terrasse, Detail Belag Dielenstoß Stirnseite
Terrasse, Detail Belag Dielenstoß Stirnseite
Photo by Sebastian Schaper

Bei der Unterkonstruktion haben wir uns trotz des etwas höheren Preises für Aluminumprofile entschieden. Zwar kann man auch Unterkonstruktionen aus WPC herstellen, Alu ist aber langlebiger und tragfähiger, so dass man die Abstände zwischen den Stelzlagern etwas vergrößern kann und sich der Preisunterschied etwas relativiert.

Begrenzung der Terrasse

Wir hatten in anderen Bereichen des Gartens bereits gute Erfahrungen mit Beton-Schalungssteinen gesammelt, unter anderem beim Bau der Pool-Seitenwände und der Anlage einiger Beete in verschiedenen Höhen. Deswegen haben wir auch bei der Terrasse auf diese Steine zurückgegriffen, um die “Ränder” der Terrasse zu bilden. Die letzte Reihe der (kleineren) Stelzlager steht jeweils auf der Mauer, die wir aus den Schalungssteinen gebaut haben. Die Mauer bildet den Abschluss der Terrasse und bildet die Stufe zwischen Terrasse und dem ca. 40 cm tiefer gelegenen Rest des Gartens.

Terrasse, verdichteter Schotterunterbau mit Begrenzugswänden
Terrasse, verdichteter Schotterunterbau mit Begrenzugswänden
Photo by Sebastian Schaper

Untergrund

Um ein stabiles Fundament für die Terrasse zu bekommen, haben wir das Gelände rund ums Haus bis zu den Schalungsstein-Mauern vom Tiefbauer mit Schotter auffüllen und verdichten lassen. Die Oberfläche hat ein leichtes Gefälle von 1-2% vom Haus weg, damit sich am Haus keine Wasserpfützen bilden. Durch die gewissenhafte lagenweise Verdichtung mit einer schweren Rüttelplatte ist sichergestellt, dass sich der Boden praktisch nicht mehr senkt.

Terrasse, verdichteter Schotterunterbau
Terrasse, verdichteter Schotterunterbau
Photo by Sebastian Schaper

Material

Wie viel Material brauche ich?

Um die Materialmengen zu berechnen, gibt es einen Bedarfsrechner für Eure WPC-Terrasse. Natürlich auch selber machen, indem Ihr ermittelt, wie viel Dielen, Clips, Unterkonstruktionsprofile und Stelzlager Ihr pro Quadratmeter Terrasse benötigt und diese Zahlen mit der Größe Eurer Terrasse in m² multipliziert. Immer ca. 10% Verschnitt einrechnen.

Noch einfacher geht es mit einem vorkonfektionierten Komplett-Set WPC-Terrasse. Bitte beachtet hierbei, dass die Unterkonstruktion auf WPC-Profilen basiert und diese direkt auf dem Untergrund aufliegen. Um eine aufgeständerte Terrasse wie in meinem Beispiel zu bauen, benötigt Ihr zusätzlich noch die Stelzlager.

Terrasse, Lieferung WPC und Unterkonstruktion
Terrasse, Lieferung WPC und Unterkonstruktion
Photo by Sebastian Schaper

Werkzeug

Bau der Terrasse

Unkrautvlies

Damit unter der Terrasse kein Unkraut wächst, haben wir die Fläche zunächst mit einem wasserdurchlässigen Unkrautvlies ausgelegt. Dies sorgt dafür, dass unter die Terrasse fallende Samen nicht in den Untergrund durchdringen können. Regenwasser wird dennoch an den Untergrund abgegeben.

Terrasse, Unkrautvlies
Terrasse, Unkrautvlies
Photo by Sebastian Schaper

Unterkonstruktion, Stelzlager

Als nächstes stand der Aufbau der Unterkonstruktion auf dem Plan. Hierzu haben wir vorgefertigte Alu-Profile verwendet, die man durch Erhöhungsstücke fast beliebig verlängern kann. Alu kann man übrigens mit einer normalen Kapp- und Gehrungssäge schneiden, wenn man ein passendes (fein gezahntes) Sägeblatt einsetzt. Alle ca. 70 cm wurde ein Stelzlager angeschraubt. Die Stelzlager tragen das Gewicht der Terrasse und sind höhenverstellbar, so dass man leichte Unebenheiten im Untergrund ausgleichen kann. Außerdem kann man mit ihnen ein perfektes Gefälle herstellen, so dass das Regenwasser von der Terrasse abfließen kann.

Gefälle

Da unsere Terrasse an zwei Hausseiten liegt, haben wir zwei Gefälle-Richtungen, jeweils senkrecht von der Hauswand weg. Daher haben haben mit der Unterkonstruktion an der Hausecke angefangen, weil dort die beiden Gefälle-Ebenen in der Diagonale zusammenlaufen. Dies ist der kritischste Punkt der ganzen Terrasse, weil es hier extrem auf Genauigkeit ankommt. Ausgehend von der Diagonalen haben wir die Unterkonstruktion auf beiden Hausseiten aufgebaut.

Abstand und Aussteifung

Die Unterkonstruktionsprofile stehen bei uns mit 40 cm Abstand zueinander. Das war der vom Hersteller der WPC-Dielen empfohlene Abstabd. Alle 120 cm (jedes dritte Profil) haben wir 2 Profile parallel verlegt. Auf ihnen liegen die Enden der geschnittenen Dielen. Jede dritte Diele wurde geschnitten, also sind die längsten immer 360 cm lang. Das ergibt ein schönes Versatz-Fugenmuster (ganz ohne Fugen geht nicht, weil so lange Dielen nicht lieferbar waren bzw. nicht existieren.

Damit sich auf der großen Fläche die einzelnen Schienen der Unterkonstruktion nicht gegeneinander verschieben, haben wir mit einem selbst gebauten Abstandshalter aus Holz die Schienen auf gleichförmige Abstände gebracht. Dann haben wir diagonale Verstrebungen unterhalb der Schienen angebracht, um die Stabilität der Konstruktion zu erhöhen und sie auszusteifen. Dadurch konnten sich die Schienen nicht mehr zueinander bewegen.


Leerrohre, Kabel

Nachdem die Unterkonstruktion stand, verlegten wir mehrere Stromkabel (für Gartensteckdosen und -Beleuchtung) sowie mehrere Leerrohre (wir verwenden sie für Gartenschläuche, aber es sind auch noch welche frei, die man beliebig verwenden kann) an den Schienen. Wenn der Belag drauf ist, kommt man später nicht mehr so leicht dazu, Kabel und Rohre unsichtbar zu verlegen.

Nivellieren

Im nächsten Schritt war Präzision gefragt: Mit einem Rotationslaser, den wir beim örtlichen Werkzeugverleih ausgeliehen hatten, brachten wir die Unterkonstruktion auf die richtige Höhe. Dabei wurde ausgehend vom höchsten Punkt am Haus am Laser das gewünschte Gefälle in Prozent und die Gefälle-Richtung eingestellt. Der Laser bildet durch Drehen um die eigene Achse eine “schiefe Ebene”. Mit einer einfachen ausziehbaren Leiste und einem daran montierten Empfangsgerät konnte man die Ebene sicht- und hörbar machen und das jeweilige Stelzlager auf einen halben mm genau einstellen. Nach mehreren Runden war ich schließlich mit dem Ergebnis zufrieden.

Belag verlegen

Auch beim Belag begannen wir wieder am schwierigsten Punkt, der Diagonale. Zunächst wurde die Alu-Unterkonstruktion mit einem Schaumstoffband beklebt, das für eine Entkopplung zwischen Belag und Unterkonstruktion sorgt, ähnlich wie eine Trittschalldämmung unter einem Laminat. Die WPC-Dielenbretter wurden anschließend mit später nicht mehr sichtbaren Clips auf die Unterkonstruktion geschraubt. Die Bearbeitung des WPC-Materials ist einfach und erfolgt mit den gleichen Werkzeugen, mit denen man auch Holz bearbeitet. Ich habe eine Handkreissäge, Stichsäge, Lochsägen und normale Bohrer in der Bohrmaschine verwendet.

Abschlussarbeiten

Während beim Verlegen der Dielen die Enden einfach überstehen gelassen wurden, konnten sie jetzt mit der Handkreissäge an einer Anschlagschiene entlang alle auf die gleiche Länge gebracht werden.

Zum Abschluss wurde senkrecht eine WPC-Diele als seitliche Abschlussblende montiert. Dadurch kann man nicht mehr unter die Terrasse blicken – die Unterkonstruktion wird unsichtbar.

Um die Ecke am Rand der Terrasse zu verdecken, haben wir spezielle Eckschienen, die ebenfalls aus WPC bestehen, seitlich angeschraubt. Damit ist ein sauberer Abschluss der Terrasse gegeben.

Spezialitäten

Um den Pool möglichst gut in die Terrasse zu integrieren, haben wir den WPC-Belag ein wenig über den Poolrand hinausgebaut und dann entlang des Rands abgeschnitten. Hierbei sind einige Stichsägenblätter draufgegangen, da das WPC-Material ziemlich robust ist… Die Schnittkante haben wir mit Hilfe einer Oberfräse mit einer schönen Runden Kante versehen, damit sich niemand beim Ein- und Aussteigen aus dem Pool daran verletzen kann.

Neben dem Pool verbirgt sich ein Technikschacht, in dem die Pool-Pumpe, der Sandfilter sowie ein Wasserverteiler für die Gartenbewässerung untergebracht sind. Da dieser Technikschacht zugänglich sein muss, haben wir eine entnehmbare Abdeckung aus WPC konstruiert. Diese lässt sich an zwei versenkten Griffen leicht abheben, so dass der Zugang frei ist. Auf eine spezielle Konstruktion mit Scharnier o.ä. haben wir der Einfachheit halber verzichtet.

Ebenso gibt es eine kleinere Abdeckung, durch die der Skimmer des Pools erreichbar ist. So kann jederzeit schnell das Filterkörbchen geleert, der Saugschlauch angeschlossen oder etwas Pool-Chemie in den Skimmer gegeben werden.

Technische Daten, verbaute Mengen

  • Größte Länge: ca. 18 m
  • Größte Breite: ca. 14 m
  • Gesamt-Fläche: ca. 113 m², um die Ecke an zwei Haus-Seiten (West, Nord)
  • Höhe der Terrassen-Oberfläche über Schotter-Untergrund: ca. 45-50 cm
  • Gefälle: 1,5% vom Haus weg (außer am Pool)
  • Anzahl Stelzlager: 470
  • Anzahl Stelzlager-Erhöhungen: 700
  • Unterkonstruktionsprofile (à 2,90 m): 146 Stück, 423 lfm
  • Verbinder für Alu-Unterkonstruktionsprofile: 140 Stück
  • Anzahl Dielen (à 4,80m): 184 Stück, 883 lfm
  • Distanzband: 430 m
  • Abschluss-Winkel-Leisten: 57 lfm
  • Terrassenclips: 2800 Stück
  • Schrauben für Clips, Stelzlager: 3600 Stück

Fazit

Nach mehrmonatigen Arbeiten an der neuen Terrasse konnten wir unser “Meisterstück” in Betrieb nehmen. Frühstück auf der Terrasse, gemütliches Chillen auf den Lounge-Möbeln, Arbeiten im Home-Office, Grillen oder Abkühlen im Pool – für alles bietet die Terrasse reichlich Platz.

2 Gedanken zu „Terrasse“

    1. Hallo Marius,

      das sind ganz simple Schubladengriffe aus Edelstahl, die eigentlich für Küchenschränke verwendet werden. Ich habe mit der Oberfräse und der Lochsäge Einbuchtungen in die WPC-Dielen geschnitten, so dass sie normalerweise versenkt liegen, man sie aber einfach in der Mitte anheben und herausziehen kann. Die Griffe sind nicht festgeschraubt, sondern haben etwas längere Schrauben bis zum Anschlag eingedreht, so dass sie ca. 2 cm ausziehbar sind, bevor sie von einer Edelstahl-Scheibe bzw. einem Stück Alu-Blech unterhalb der WPC-Diele “aufgehalten” werden. So kann man die Abdeckungen gut anheben.

      Sebastian

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