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Gipsfaserplatten klammern statt schrauben

Black claw hammer on brown wooden plank
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Einleitung

Die Gipsfaser (Fermacell)-Platten in Eurem Ausbauhaus kann man entweder anschrauben, oder man macht es wie die Profis im Werk und auf der Baustelle und klammert sie mit einem Druckluftklammergerät an die Balken. Das geht nicht nur viel schneller, sondern schont auch die eigenen Muskeln – und macht dazu noch viel mehr Spaß! Es ist wichtig, dass die Platten geklammert (mit einer Klammer) und nicht genagelt werden dürfen! Also aufpassen bei der Wahl des Gerätes!

Welche Klammern werden benötigt?

Da die Fermacell-Platten ein wichtiger Teil des Wandaufbaus sind, die auch für die Stabilität der Wände und damit des ganzen Hauses zuständig sind, sollte man sich bei der Befestigung an die Vorgaben des Herstellers halten.

In dem Fermacell Profi-Tipp “Klammern von Fermacell-Platten” findet sich auf Seite 2/3 eine Tabelle mit den Anforderungen an die Klammern bei den jeweiligen Wandaufbauten. In der Zeile 11 findet sich der passende Eintrag “FERMACELL auf Holzunterkonstruktion (Klammerlängen bei Baustellenfertigung)”, “Statisch beanspruchte Wand- und Deckenkonstruktionen”, “12,5 mm FERMACELL”. Hier wird eine Klammerlänge von 45mm oder größer und ein Drahtdurchmesser von 1,5 mm oder größer gefordert. In den weiteren Spalten der Tabelle finden sich empfohlene Klammern der verschiedenen Hersteller. Wichtig ist auch, dass die Klammern verzinkt (gegen Rost) und geharzt (dann halten sie besser im Holz) sind.

Weitere Informationen finden sich in dem Dokument “Planung und Verarbeitung – Fermacell Gipsfaser-Platten im Trockenbau

Am besten nimmt man Klammern, die ausdrücklich für die Verarbeitung mit dem eigenen Klammergerät geeignet sind. Hierbei ist die Klammerlänge, die Rückenbreite und die Drahtstärke ausschlaggebend. Der Gerätehersteller Seco bietet z.B. Klammern unter eigenem Namen an.

Wie viele Klammern benötige ich?

Das hängt natürlich von der Hausgröße und der Wandfläche ab, die Ihr klammern wollt. Einen Anhaltspunkt findet Ihr in dem Dokument “Klammern von Fermacell-Platten“, darin ist die Rede von ca. 25 Klammern pro m² bzw. eine Klammer alle 15 cm. In der Praxis wird man die Abstände nicht ausmessen und lieber ein paar Klammern zu viel als zu wenig setzen.

Bei unserem Haus (Complete 4, Rasterverlängerung, ca. 250 m² Wohnfläche) haben wir ca. 175 Fermacell-Platten (3,5 große Paletten) mit 2,75 m x 1,25 m, also über 600 qm verbaut. Befestigt habe ich die Platten mit ca. 18.000 Klammern. Das Klammergerät, mit dem die Klammern ins Holz getrieben wurden, hätte ich nicht missen wollen – die Platten zu schrauben hätte viel länger gedauert.

Welches Klammergerät brauche ich?

Man benötigt ein Druckluft-Klammergerät (und keinen “-Nagler), das Klammern mit der o.g. Spezifikation verarbeiten kann. Wenn man sich vorstellt, mit welcher Kraft und Geschwindigkeit die langen Klammern in das Holz getrieben werden müssen, ist man schon ein gutes Stück entfernt vom kleinen Büro-Tacker…

Die Geräte sind nicht billig, aber man sollte hier nicht an der Qualität sparen. Hier sind große Kräfte am Werk, billiges Werkzeug kann zu schlechteren Ergebnissen und/oder höherer Verletzungsgefahr führen. Ggfs. findet man solche Geräte auch gebraucht, z.B. von anderen Bauherren oder aus Betriebsauflösungen. Da die Geräte deutlich länger halten als nur einen Hausbau, bekommt man sie im Anschluss auch wieder gut verkauft.

Wir haben bei beiden Häusern gute Erfahrungen mit dem Klammergerät Senco SQS55 gemacht. Dieses hat auch der Massa-Stelltrupp verwendet.

Welchen Kompressor sollte ich nehmen?

Ihr braucht einen Kompressor, der den Betriebsdruck des Klammergerätes liefern kann (meistens um die 8 bar). Mit einem Kompressor, der z.B. 10 bar liefern kann, hat man etwas Reserve – den Druck am Ausgang kann man eigentlich immer herunter regeln.

Wichtig ist auch die Luftmenge, die das Klammergerät pro Schuss verbraucht. Der Kompressor sollte einen entsprechend großen Tank haben. Man will auch mal 10-20 Schuss am Stück machen können, ohne dass gleich der Druck abfällt, weil der Tank leer ist. Die Luftmenge, die das Gerät durchgehend liefern kann (Abgabeleistung, nicht Ansaugleistung!) bestimmt, wie viel Schuss man pro Minute bei laufendem Gerät machen kann, ohne dass der Tank leer wird – also die “Dauerschussleistung” sozusagen.

Beispiel: Bei (bis zu!) 272 l pro Minute Abgabeleistung (das Gerät unten) und 5 l pro Schuss mit dem Klammergerät kann man 55 Schuss pro Minute abgeben, also weniger als einer pro Sekunde – im Schnitt. In der Praxis wird man wohl eher 10-20 am Stück in 5-10 Sekunden durchtackern (eine ganze Reihe am Balken entlang) und dann wieder kurz Pause machen, bis man die nächsten 10-20 macht. Im Schnitt kommt man dann aber schon auf die 55 pro Minute – nicht jede Minute, aber immer mal wieder.

Wenn man diese Rate überschreitet (passiert früher oder später, wenn man in Fahrt ist…), fällt der Druck ab und man musst erst einmal warten, bis der Kompressor wieder genug Druck aufgebaut und den Tank gefüllt hat. Je mehr der Kompressor liefert, umso weniger und kürzer werden diese Zwangspausen.

Fazit: Wenn man die Wahl hat: Großer Tank, starker Motor. Zu groß gibt es da kaum, aber ein zu kleiner Kompressor nervt, weil man ständig Pausen machen muss. Und so ein Gerät macht ordentlich Krach. Je kleiner der Motor und der Tank, desto öfter und länger läuft der Kompressor, und desto länger dauert es, bis wieder Druck da ist.

Ich hatte einen Kompressor mit 50 l Tank und über 2000 Watt Leistung von Scheppach. Er hatte 2 Zylinder und sah ähnlich aus wie der HC53DC (siehe Link). Das Gerät hat uns gute Dienste geleistet. Viel kleiner hätte es nicht sein dürfen und ich würde auch nicht empfehlen, einen viel kleineren Kompressor zu verwenden (siehe die Berechnung oben).

Zubehör

Nicht vergessen: Einen langen, hochwertigen Schlauch dazukaufen, wir hatten einen 15 m langen. Dann braucht man den Kompressor nicht ständig durch die Gegend fahren/tragen und kann ihn zentral stehen lassen. Und eine Druckluftpistole ist auch ein tolles Zubehör, um schnell mal etwas sauber zu blasen.

Die Sicherheit sollte auch nicht außer Acht gelassen werden. Bei der Arbeit mit dem Klammergerät immer einen Gehörschutz tragen! Eine Schutzbrille ist sicherlich auch nicht verkehrt. Arbeitshandschuhe sind auf der Baustelle eh Standard.

Kann ich auch Gipskarton-Platten klammern?

Man kann auch Gipskarton (Rigips)-Platten klammen, allerdings ist dies nur an den Wänden zulässig. An Decken und Dachschrägen müssen die Gipskartonplatten zwingend geschraubt werden.

Man benötigt hierfür ein kleineres Klammergerät und andere Klammern (bei uns Typ M).

Nach meiner Erfahrung ist es allerdings besser, die Gipskarton-Platten zu schrauben und nicht zu klammern. Zum einen durchschlägt die Klammer oft den Karton der Platte, wenn man ein klein wenig zu viel Luftdruck eingestellt hat. Dadurch hält die Klammer die Platte nicht mehr richtig. Zum anderen stehen die Klammen oft ein wenig über, wenn der Luftdruck zu gering ist, was beim Spachteln stört. Außerdem scheint mir die Haltekraft der Klammern geringer als die der Schrauben – wenn die Folie hinter der Rigips-Platte mal etwas federt, zieht sie gerne mal die Klammer wieder heraus.

Fazit: Während ich das Klammern bei Gipsfaserplatten (Fermacell) auf jeden Fall empfehle, würde ich Gipskartonplatten (Rigips) lieber schrauben, auch an den Wänden.

Zu guter Letzt: Bitte nicht nachmachen!

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One in a million shot with nail gun

Einen habe ich noch: Mit Musik geht die Arbeit gleich viel leichter von der Hand!

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