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Extra-Stauraum: Dachboden als Lager?

Schnittansicht des Hausplans
Schnittansicht des Hausplans
Photo by Sebastian Schaper

Einleitung

Die meisten Massa-Häuser haben einen Spitz- oder Dachboden. Oft ist dieser überraschend groß und manchmal bietet er auch genug Höhe, um stehen zu können. Die genaue Größe ist abhängig von der Kniestockhöhe und der Dachneigung. In der Schnittzeichnung des Hauses in den Bauantragsunterlagen kann man ganz gut erkennen, wie der Dachboden später mal aussehen wird.

Schnittansicht des Hausplans
Schnittansicht des Hausplans
Photo by Sebastian Schaper

Spitze! Dann kann ich ja…

Da ist es natürlich verlockend, dort oben Dinge zu lagern, die man nicht so oft braucht, aber nicht weggeworfen werden sollen. Dabei sollte man aber beachten:

  • Den Dachboden als Extra-Wohnraum zu nutzen ist nicht sinnvoll. Das ist in der Planung und Berechnung des Hauses nicht vorgesehen und ist wirtschaftlich und technisch ziemlich aufwändig. Als Stichworte seien hier nur einmal Dämmung, luftdichte Hülle, Heizung, Belichtung, Belüftung, Stehhöhe, Zugang per Treppe (und zweiter Fluchtweg) genannt. Mehr Wohnraum lässt sich günstiger herstellen, z.B. durch eine Rasterverlängerung oder eine Kniestockerhöhung.
  • Es handelt sich um ein sogenanntes Kaltdach, d.h. es herrschen Außentemperatur und Außenluftfeuchtigkeit (alles wie draußen, nur regnet und schneit es nicht 😉 ). Bei bestimmen Wetterbedingungen auch Kondenswasser ausfallen. Im Sommer ist es brütend heiß da oben, im Winter kalt.
  • Alles, was keine Hitze (z.B. Kerzen) oder Kälte/Frost (z.B. Flüssiges) oder Luftfeuchteschwankungen (Papier, Textilien) verträgt, sollte dort nicht dauerhaft gelagert werden.
  • Um die Sachen zu schützen, kann man sie in Vakuumbeutel oder dicht schließende Plastikkisten stecken. Kondenswasser kann aber auch in diesen Behältnissen entstehen! Man kann den Effekt verringern, wenn man Silikatgel (die kleinen Tütchen, die oft in den Kartons von Elektrogeräten liegen) mit einpackt. Dieses nimmt überschüssige Luftfeuchtigkeit auf.
  • Da oben geht auch mal Wind durch, und es ist “nackte” Dämmwolle im Boden (der Decke des Dachgeschosses) und den Giebelwänden. Die feinen Fasern von der Dämmwolle werden aufgewirbelt und setzt sich mit der Zeit auf den Sachen ab, und das wird mit den Jahren auch kaum weniger. Geschlossene Behältnisse sind daher vorzuziehen.
  • Auch Insekten finden ihren Weg auf den Dachboden, manchmal wird er sogar als Überwinterungsquartier genutzt.
  • Die Tragfähigkeit ist niedriger als bei einer normalen Decke, es sind normalerweise 100 kg/m². Für normale Benutzung kein Thema, aber bei großen Mengen Dachziegeln o.ä. müsst Ihr das Gewicht in der Fläche verteilen.
  • Da oben muss kein Boden verlegt sein. Bei uns waren es nur ein paar Latten am Rand, inzwischen baut man wohl auf der ganzen Fläche Bretter mit Abstand ein. Man muss also ein wenig aufpassen und kann nicht davon ausgehen, auf der ganzen Fläche sicher laufen und etwas abstellen zu können.
  • Hier ist wirklich Vorsicht angebracht! Tritt man ins Leere, bricht man einfach durch die Dämmung, Folie und die Rigips-Platten an der DG-Decke durch und kann sich dabei schwer verletzen!
  • Ganz verschließen (z.B. mit Spanplatten belegen) darf man die Fläche nicht! Sonst kann die Dämmwolle nicht “atmen” und es kann zu Feuchte- und Schimmelschäden kommen.
  • Falls Ihr doch eine durchgehende Fläche erstellen wollt, empfehlen die meisten Bauleiter, eine Konterlattung auf den Balken und unterhalb der Platten anzubringen, damit die Platten nicht direkt auf der Dämmung aufliegen. Stabile OSB-Platten eignen sich ziemlich gut als Belag, Spanplatten weniger. Ihr solltet zwischen den Platten kleine Spalten (1-2 cm) lassen, sowie am Rand an der Traufseite mindestens 20-30 cm komplett freilassen, damit die Luft besser zirkulieren kann. Das ist kein großer Verlust, denn dort ist naturgemäß die Höhe sehr begrenzt, man verliert also kaum Abstellfläche.
Spitzboden offen
Spitzboden im Auslieferungszustand, ohne begehbaren Boden und ohne Dämmung
Photo by Sebastian Schaper

Was kann man also dort oben lagern?

  • Saisonale Deko, z.B. Weihnachts- oder Ostersachen
  • Saisonale Textilien (Schneeanzüge, Jacken, etc.), wenn sie gut verpackt sind
  • Koffer und Taschen, insbesondere Hartschalenkoffer aus Kunststoff oder Aluminium
  • Baumaterial-Reserven (Dachziegel, Holz) – hierbei auf die niedrigere Tragfähigkeit des Dachbodens achten und schwere Materialien in der Fläche verteilen!
  • Kartons und Verpackungsmaterial von Geräten, die man eventuell einmal zur Reparatur einschicken muss.
  • Alte Akten, an die man voraussichtlich nie mehr dran muss

Es empfiehlt sich, den Dachboden ab und an einmal zu inspizieren und dabei auch auf eventuelle Schäden an den eingelagerten Sachen zu überprüfen.

Mit stabilen OSB-Platten lässt sich eine durchgängige und tragfähige Lauf- und Lagerfläche erstellen. Wir haben zwischen den Platten bewusst kleine Spalten für den Luftaustausch gelassen. Das Geländer gibt es als Zubehör zur Dachbodentreppe und verringert die Absturzgefahr.

Tipps

Denkt bei der Elektroplanung an den Dachboden und lasst Euch Licht und auch 1-2 Steckdosen (z.B. für den Sat-Verstärker) installieren. Das Licht kann man über einen Schalter (mit Kontroll-Leuchte) im Flur neben der Bodentreppe, einen Bewegungsmelder oben auf dem Dachboden oder noch besser über einen Schalter, der von der Bodentreppen-Klappe betätigt wird, schalten. So steht man nicht auf einmal im Dunkeln und das Ausschalten wird auch nicht vergessen. Da dort oben Kondenswasser entstehen kann, sollte man Leuchten nehmen, die für Feuchträume geeignet sind.

Spitzboden mit Beleuchtung
Mit einer günstigen, aber effektiven Beleuchtung bewegt man sich sicherer auf dem Dachboden. Wir haben ein paar billige LED-Feuchtraumlampen beim örtlichen Elektro-Restpostenmarkt ergattert.
Photo by Sebastian Schaper

2 Gedanken zu „Extra-Stauraum: Dachboden als Lager?“

  1. Hallo Sebastian, auch hier mal wieder ein riesen Dankeschön für den Artikel.

    Ich dachte unser Bauleiter hätte nach Stelltermin erwähnt, dass keine Platten oben hin kommen dürfen?

    Würde mich freuen über eine Antwort.

    Liebe Grüße Moni

    1. Hallo Moni,

      danke für das tolle Feedback!

      Man bekommt da leicht unterschiedliche Aussagen von den Bauleitern. Wir haben unsere Platten so verlegt, dass am Rand ordentlich Platz frei geblieben ist. Außerdem sind zwischen den Platten Fugen mit 1-2 cm Breite, so dass Luft zirkulieren kann. Diese Bauweise wurde uns von unserem Berater beim Baustoffhändler empfohlen, der viele Häuser dieser Bauweise betreut. Bisher haben wir damit auch keinerlei Probleme.

      Meistens wird empfohlen, auf die Deckenbalken zunächst eine Konterlattung aufzubringen, um den “Boden” ein paar cm von der Dämmwolle abzuheben. Auch hier wieder ist die bessere Luftzirkulation das Argument. Wir haben damals darauf verzichtet. Wie gesagt, bisher ohne Probleme. Ich würde dennoch empfehlen, sicherheitshalber eine Lattungs-Ebene einzubauen.

      Viele Grüße

      Sebastian

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